Kolumne

Allgegenwärtige Gier

In den letzten Wochen und Monaten war viel von der Geldgier in der Finanzbranche und bei Topmanagern die Rede. Es wurde aber auch auf die Mittäterschaft von uns allen hingewiesen, die im verantwortungslosen Verbrauchen von Konsumgütern aller Art bestehe, u. a. in einem Leserbrief im „Bund“ vom 13. August unter dem Titel „Allgegenwärtige Gier“.

So berechtigt solche Stellungnahmen sind, so treffen sie aus meiner Sicht den entscheidenden Kernpunkt der Sache nicht.
Die individuelle Gier entsteht ja nicht einfach aus persönlicher Schwäche, sondern ist eine von unserem Wirtschaftssystem verordnete Gier. Sobald wir – aus edlen Motiven- unseren Konsum drosseln, bremsen wir das Wachstum und damit den Motor unserer Wirtschaft, der ständig neue Produkte, Versuchungen und Konsumzwänge schafft.
Moralische Appelle an die KonsumentInnen fassen das Übel jedenfalls nicht an der Wurzel. Vielmehr muss endlich die Frage gestellt werden: Was ist das für eine Volkswirtschaft, die nur durch die Gier ihrer Mitglieder aufrecht erhalten werden kann?
Die Analyse dieser Frage ist nicht nur grundsätzlicher, sondern für neoliberale Glaubensanhänger auch sehr viel peinlicher als die Empörung über die – nur noch pathologisch zu nennenden – Exzesse einzelner Führungskräfte.

25.08.2009